Tierwohl-Stufe 1 faktisch aus dem deutschen Einzelhandel eliminiert
Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel (LEH) hat eine strukturelle Zäsur vollzogen: Die unterste Tierwohl-Haltungsstufe ist aus dem Frischfleisch-Eigenmarkensortiment der führenden Handelsketten de facto verschwunden.
Timeline der Retailer-Entscheidungen
| Händler | Zeitpunkt | Maßnahme |
|---|---|---|
| Aldi Süd | Januar 2026 | Stufe 1 aus Frischfleisch-Eigenmarken entfernt |
| Lidl | Februar 2026 | Stufe 1 aus Frischfleisch-Eigenmarken entfernt |
| Rewe / Penny | Laufend 2026 | Transition im Gange |
| Alle Händler | Seit März 2026 | Pflichtlabelung Haltungsstufe auf Schweineverpackungen |
Konsequenzen für Fleischverarbeiter
Für Lieferanten im Frischfleischsegment:
Verarbeiter und Lieferanten, die ausschließlich in Haltungsstufe 1 produzieren, verlieren aktiv Listungsanteile. Die Anforderungen für die Listung bei Vollsortimentern haben sich faktisch auf Stufe 2 oder höher erhöht.
Dokumentationspflichten:
Die seit März 2026 geltende Pflichtlabelung der Haltungsstufe auf Schweinefleischverpackungen erhöht die Transparenzanforderungen erheblich:
- Rohwarenbeschaffung muss nach Haltungsstufe getrennt und dokumentiert werden
- Lieferantenzertifizierungen müssen vorhanden und aktuell sein
- Gemischte Lieferketten erfordern eine lückenlose Rückverfolgung bis zum Erzeuger
Zertifizierungskosten und Zeitrahmen:
Die Aufwertung von Stufe 1 auf Stufe 2 erfordert Investitionen in Stallumbauten, Auslaufmöglichkeiten und Dokumentationssysteme. Lieferanten, die bisher noch nicht zertifiziert sind, sollten die Zeitplanung mit Verbänden und anerkannten Auditoren abstimmen, um Listungsverluste im Herbst/Winter 2026 zu vermeiden.